Gedicht

Es beginnt mit einem Stein in ihrem Bauch
der langsam an zu schlagen fängt.

Pulsierend trägt aus Nichts ein Herz
sich in die Welt
schläft tief und fest
und nach nur wenig Tagen
bewegt es sich dann doch.

Es trifft das Licht auf seine Haut.
Die Sonne hat den ersten Atemzug erblickt,
der seine Brust sich heben lässt.

Ganz sacht, wie wenn der Wind durch Blätter weht,
bewegt sich das Geschaffene,
erkennt die Arme, Beine, ja den eignen Kopf
und fängt ganz langsam an zu gehn.
Erkennt noch nicht des Lebens Sinn,
jedoch das Leben selbst
in seiner vagen Form.

Begeistert, ohne Angst und Ahnung
rennt es los.
Prescht durch alle Hindernisse,
umgeht sie nicht, springt nicht hinüber
nein, rennt alle Mauern um
und ist erst spät entsetzt,
dass die Splitter, Steine tiefe Wunden reissen.

Es erkennt noch einmal seinen Körper,
der Schmerz entzündet Wut und Hass.
Es greift zum Messer,
schneidet alle Haare kurz,
bis hin zur radikalsten Körperschaft.

Mit zu großen Stiefeln springt es weiter,
trägt ein Kleid, dass seinen Leib vermehrt
und die Muskeln ledern und Metall verstärkt.

Es stellt das Denken nicht voran.
Der Traum vom Mensch ist 10mal stärker.

Nachdem das Rennen langsamer,
erschöpft, im Laufen endet.
Es vielleicht sogar kurz stehen bleibt,
den Weg nach hinten und nach vorn beschaut
und die schweren Kleider gegen leichte Stoffe tauscht.

Nicht mehr sich zu verstärken,
nur sich weniger zu hindern.

Nachdem die Wut und Lust nach massenhaftem Fleisch vergeht
macht es die Augen auf und gähnt,
erinnert sich mit Wehmut
aber lächelnd und zufrieden an den Traum
und geht putzmunter, wach und achtsam
einfach weiter.